Ein niedriger Kilometerstand kann ein Auto wie ein Schnäppchen erscheinen lassen. Er kann aber auch genau das Detail sein, hinter dem das größte Risiko steckt. Bei der Überprüfung des Kilometerstands werden anhand von Serviceaufzeichnungen, Werkstatteinträgen, Inspektionsberichten und Daten zur Fahrzeughistorie geprüft, ob der angegebene Kilometerstand glaubwürdig ist.
Für Käufer, Händler und Importeure ist dies von Bedeutung, da die Laufleistung den Wert, die Wartungszeitpunkte und die Wahrscheinlichkeit kostspieliger Reparaturen beeinflusst. Ist die Laufleistung falsch angegeben, könnte auch die gesamte Preisbildungslogik hinter dem Verkauf falsch sein.
Was die Überprüfung des Kilometerstands eigentlich bedeutet
Bei der Überprüfung des Kilometerstands geht es nicht nur darum, den auf dem Armaturenbrett angezeigten Wert abzulesen. Vielmehr bedeutet dies, diesen Wert mit anderen Datenpunkten zu vergleichen, die im Zeitverlauf mit dem Fahrzeug in Verbindung stehen. Die aussagekräftigsten Belege stammen in der Regel aus datierten Kilometerstandseinträgen, die im Rahmen von Wartungsarbeiten, Garantiereparaturen, Inspektionen sowie in Hersteller- oder Werkstattsystemen erfasst wurden.
Aus diesem Grund reicht ein abgestempeltes Serviceheft allein nicht immer aus. Papierunterlagen können unvollständig sein, verloren gehen oder verändert werden. Digitale Servicenachweise, sofern verfügbar, können einen zuverlässigeren Nachweis liefern, da sie häufig Werkstatttermine, den erfassten Kilometerstand und Wartungsereignisse enthalten, die mit dem VIN verknüpft sind.
Für Marken wie BMW, MINI, Mercedes-Benz, Audi, Volkswagen, Škoda, SEAT, CUPRA, Porsche, Volvo, Ford und Toyota können digitale Aufzeichnungen einen wichtigen Bestandteil der Überprüfung des Kilometerstands darstellen. Die Verfügbarkeit hängt vom jeweiligen Fahrzeug, Markt und der Servicehistorie ab, daher sollte bei keiner Überprüfung das Vorhandensein von Daten versprochen werden, wenn diese nicht vorhanden sind.
Warum die Überprüfung des Kilometerstands bei Gebrauchtautos vor dem Kauf wichtig ist
Wurde die Laufleistung eines Fahrzeugs manipuliert, zahlt der Käufer möglicherweise zu viel und unterschätzt den Verschleiß. Ein Auto, dessen Laufleistung mit 80.000 Meilen oder Kilometern angegeben ist, kann in Wirklichkeit weitaus stärker beansprucht sein, was sich auf den zu erwartenden Zustand von Motor, Getriebe, Fahrwerk, Bremsen und Innenraum auswirkt.
Die Überprüfung des Kilometerstands hilft auch dabei, Lücken in der Wartungshistorie zu erklären. Wenn ein Verkäufer angibt, das Auto habe eine geringe Laufleistung, die Werkstattunterlagen jedoch häufige Wartungsbesuche mit hohen Kilometerständen aus früheren Jahren belegen, sollte diese Diskrepanz genauer untersucht werden. Bei Importfahrzeugen ist dies besonders wichtig, da das Auto möglicherweise mehrere Märkte, Sprachräume oder Dokumentationssysteme durchlaufen hat, bevor es zum Verkauf angeboten wurde.
Tachomanipulationen sind ein bekanntes Risiko auf dem Gebrauchtwagenmarkt. Die Europäische Kommission und nationale Verbraucherschutzbehörden haben wiederholt darauf hingewiesen, dass der grenzüberschreitende Handel die Aufdeckung solcher Manipulationen erschweren kann, wenn sich Käufer ausschließlich auf die aktuelle Anzeige des Kilometerzählers oder die Angaben des Verkäufers verlassen. Aus diesem Grund stellen Überprüfungen anhand von Dokumenten und anhand des VIN eine sinnvolle Sicherheitsmaßnahme dar.
So funktioniert die Überprüfung des Kilometerstands in der Praxis
Das beste Verfahren zur Überprüfung des Kilometerstands kombiniert eine physische Begutachtung mit der Überprüfung von Einträgen. Beginnen Sie mit der Fahrgestellnummer (VIN) und nicht allein mit dem Kennzeichen. Über die Fahrgestellnummer lässt sich das Auto genauer mit den Einträgen des Herstellers und der Werkstätten verknüpfen.
Vergleichen Sie anschließend den aktuellen Kilometerstand mit der vorliegenden Wartungshistorie des Fahrzeugs. Achten Sie auf einen klaren zeitlichen Ablauf. Der Kilometerstand sollte sich im Rahmen von Wartungsterminen, Inspektionen und Garantieeinträgen in einem glaubwürdigen Muster erhöhen. Ein plötzlicher Rückgang, eine unerklärliche Lücke oder ein Eintrag, der nicht in die Abfolge passt, kann auf ein Problem hindeuten.
Auch der technische Zustand spielt eine Rolle. Starker Verschleiß am Lenkrad, abgenutzte Pedale, Schaden an den Seitenwangen des Fahrersitzes und übermäßiger Verschleiß an den Schaltern können darauf hindeuten, dass das Fahrzeug stärker genutzt wurde, als es die Angaben auf dem Armaturenbrett vermuten lassen. Diese Anzeichen beweisen für sich genommen zwar keinen Betrug, sind aber hilfreich, wenn die Unterlagen lückenhaft sind.
Warnsignale, die man nicht ignorieren sollte
Eine ordnungsgemäße Überprüfung des Kilometerstands sollte Sie stutzig machen, wenn die Angaben nicht übereinstimmen. Zu den typischen Warnzeichen zählen uneinheitliche Wartungsintervalle, Lücken in der Fahrzeughistorie, handschriftliche Einträge ohne entsprechende Rechnungen sowie Importfahrzeuge, die mit nur sehr wenigen Belegen verkauft werden.
Ein weiteres Warnsignal ist ein Verkäufer, der sich ausschließlich auf den aktuellen Kilometerstand konzentriert, aber nicht erklären kann, wo das Auto gewartet wurde. Wenn ein BMW, Volkswagen oder Mercedes-Benz angeblich über eine vollständige Historie verfügt, sollte in der Regel eine nachvollziehbare Wartungshistorie vorliegen, auch wenn die verfügbaren digitalen Aufzeichnungen eher lückenhaft als vollständig sind.
Überprüfung des Kilometerstands und digitale Servicehistorie
Die digitale Servicehistorie kann die Überprüfung des Kilometerstands untermauern, da sie Servicedaten und erfasste Kilometerstände enthält, die sich schwerer fälschen lassen als ein Stempel auf Papier. Sie ist besonders nützlich bei neueren Fahrzeugen und bei Marken, die von herkömmlichen Wartungsheften abgegangen sind.
Allerdings ist die digitale Fahrzeughistorie nicht allumfassend. Manche Fahrzeuge wurden außerhalb des Herstellernetzwerks gewartet. Manche Einträge sind unvollständig. In manchen Märkten werden Daten anders gespeichert. Eine fundierte Überprüfung des Kilometerstands bedeutet, diese Einschränkungen zu verstehen, anstatt davon auszugehen, dass fehlende Angaben gleichbedeutend mit einer lückenlosen Fahrzeughistorie sind.
Hier kommt ein VIN-basierte Fahrzeugprüfung kann helfen. VehiclePass unterstützt Käufer und Fachleute aus der Branche dabei, vor dem Kauf die verfügbaren digitalen Servicehistorien, Wartungsunterlagen, Kilometerstandsangaben, Werkstattbesuche und andere Hintergrunddaten zu prüfen. Der Mehrwert liegt nicht darin, Vermutungen anzustellen, sondern darin, zu überprüfen, welche Nachweise vorliegen, und diese zur Risikobewertung heranzuziehen.
Was Sie tun sollten, bevor Sie sich für das Auto entscheiden
Fragen Sie frühzeitig nach der Fahrgestellnummer (VIN). Überprüfen Sie den Wartungsverlauf. Vergleichen Sie den angegebenen Kilometerstand mit allen verfügbaren datierten Einträgen. Prüfen Sie Prüfberichte, Rechnungen und Wartungsunterlagen. Wenn es sich um ein Importfahrzeug handelt, sollten Sie besonders vorsichtig sein.
Die Überprüfung des Kilometerstands sollte Teil der Kaufentscheidung sein und nicht erst nach der Bezahlung als nachträglicher Gedanke in den Vordergrund rücken. Wenn die Angaben zum Kilometerstand nicht schlüssig sind, ist es oft am sichersten, den Kauf vorerst auszusetzen, bis der Verkäufer die Abweichung beim Kilometerstand anhand von Dokumenten erklären kann.
Ein Gebrauchtauto ist nur so vertrauenswürdig wie die Unterlagen, die dazu vorliegen. Überprüfen Sie vor dem Kauf die Laufleistung genauso, wie Sie auch das Eigentumsverhältnis, die Schadenhistorie oder die Servicehistorie überprüfen würden – anhand von Belegen, die sich direkt auf das Fahrzeug beziehen.
Häufig gestellte Fragen
Was versteht man unter der Überprüfung des Kilometerstands bei einem Auto?
Bei der Überprüfung des Kilometerstands wird geprüft, ob der Kilometerstand mit den dokumentierten Daten des Fahrzeugs übereinstimmt, wie beispielsweise Serviceeinträge, Werkstattbesuche, Inspektionen und Wartungsunterlagen.
Kann eine Überprüfung des Kilometerstands Tachomanipulationen aufdecken?
Die Überprüfung des Kilometerstands kann dabei helfen, Anzeichen für eine Tachomanipulation aufzudecken, indem sie Unstimmigkeiten in den Kilometerstandsaufzeichnungen, unerklärliche Lücken in den Unterlagen oder einen Serviceverlauf aufzeigt, der nicht mit dem angezeigten Wert übereinstimmt.
Ist die Überprüfung des Kilometerstands bei Importfahrzeugen wichtiger?
Ja. Importfahrzeuge können ein erhöhtes Risiko bergen, da die Einträge zum Kilometerstand möglicherweise über verschiedene Länder, Werkstätten und Systeme verstreut sind. Umso wichtiger ist daher eine unabhängige Überprüfung des Kilometerstands vor dem Kauf.
Beweist die digitale Servicehistorie, dass die Laufleistung korrekt ist?
Nicht immer. Die digitale Servicehistorie kann ein aussagekräftiger Beleg sein, ist jedoch möglicherweise unvollständig oder gar nicht verfügbar. Die Überprüfung des Kilometerstands funktioniert am besten, wenn digitale Aufzeichnungen zusammen mit anderen Fahrzeugunterlagen und einer Zustandsprüfung ausgewertet werden.
Welche Dokumente helfen bei der Überprüfung des Kilometerstands?
Zu den nützlichen Unterlagen zählen digitale Servicenachweise, Wartungsrechnungen, Inspektionsberichte, Garantieeinträge, die Werkstattgeschichte sowie alle datierten Kilometerstandsangaben, die mit der Fahrgestellnummer verknüpft sind.

